Wir bringen das Miteinander voran. Behindertenstiftung Tannenhof Ulm

Erinnerungszeichen an die Ulmer Opfer
von Zwangssterilisation und „Euthanasie“-Morden

Kranke und behinderte Menschen gehörten zu den ersten Opfern im Nationalsozialismus. Etwa 400.000 Menschen wurden von 1933 bis 1945 gegen ihren Willen unfruchtbar gemacht. Sie galten wegen einer Erbkrankheit oder Behinderung als „nicht fortpflanzungswürdig“. Etwa 70.000 behinderte und psychisch kranke Menschen wurden von 1939 bis 1945 ermordet. Ihre Tötung sollte ihnen angeblich Leid ersparen und wurde deshalb verharmlosend als „Euthanasie“ bezeichnet. „Euthanasie“ ist ein Wort aus der griechischen Sprache und bedeutet „schöner Tod“. Nach Meinung der Nationalsozialisten waren diese Menschen nichts wert und der Staat musste zu viel Geld für ihre Versorgung bezahlen. Die meisten von ihnen wurden in „Tötungsanstalten“ mit Giftgas getötet. Eine dieser Tötungsanstalten war Grafeneck auf der Schwäbischen Alb.  

1155 Menschen aus Ulm wurden gegen ihren Willen unfruchtbar gemacht. Mindestens 183 psychisch kranke und geistig behinderte Menschen aus Ulm wurden in Grafeneck ermordet. Seit Oktober 2019 - fast 80 Jahre danach - gibt es in Ulm endlich einen öffentlichen und würdigen Ort der Erinnerung.

Gedenkbuch an die Ulmer Opfer

Das Gedenkbuch für die Ulmer Opfer von NS-Zwangssterilisation und „Euthanasie“-Morden bringt Namen und Lebensläufe zurück ins Gedächtnis der Ulmer. 
183 Frauen und Männer, die aus Ulm stammten oder in der Landesfürsorge-anstalt Oberer Riedhof im Donautal gelebt hatten, wurden im Rahmen der „Euthanasie“-Programme ermordet. 
Ihre Namen und Biographien sind jetzt gemeinsam mit jenen der 343 Ulmer Opfer von NS-Zwangssterilisation im Gedenkbuch festgehalten.


Eine Vergangenheit, die nicht vergeht.

Nicola Wenge vom Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg 
erläutert Entstehung und Hintergründe des Erinnerunszeichens.

Quelle: DZOK Ulm

„… aber ich hoffe, dass ich nicht verloren bin“
© Foto: Illustration Braun Engels Gestaltung / Sabine Lutz

Unser Kunst-Projekt „Ich bin wie ich bin“

Menschen mit geistiger Behinderung haben sich künstlerisch auf ihre ganz individuelle Art mit der Erinnerung an die Zwangssterilisation und die Ermordung von behinderten Menschen im Nationalsozialismus auseinandergesetzt. Bei diesem Projekt ging es nicht um eine intellektuelle Auseinandersetzung mit den historischen Tatsachen. Gerade Menschen mit geistiger Behinderung haben Erfahrung, was es bedeutet „nichts wert zu sein“. Manche Bilder zeigen ganz einfach Trauer oder auch Entsetzen über das Geschehen. Manche zeigen ein Lachen im Hier und Jetzt. Und sie sagen uns: 

 

Ich bin wie ich bin.

Ich bin genauso ein Mensch wie jeder andere. 

Ich bin genauso viel Wert wie jeder andere.

 

Die Künstlerinnen und Künstler der Kreativwerkstatt Tannenhof: Nicole Arbogast / Albert Braig / Jane Dins / Claudius Fritschi / Inge Hannemann / Peter Raidt /
Sabine Wess / Kurt Weiß. Künstlerisch begleitet wurde das Projekt von Christine Frohnmüller.

 

Mit Unterstützung der Firma Axians Infoma Ulm.